Tatjana Paller fährt im WM-Scratch auf Angriff

Bahnrad-Weltmeisterschaft – Apeldoorn, 28.02.-04.03.2018

180228 Bahn WM Apeldoorn Scratch credit MerlijnSpenkelinkSeit Mittwoch und noch bis Sonntag ist die Weltelite der Bahnradsportler im nieder­ländischen Apeldoorn versammelt, um ihre Titelkämpfe auszutragen. Gleich bei der ersten Entscheidung am ersten Wettkampftag ging es für Tatjana Paller (Foto: oben Mitte, danke an den Fotografen Merlijn Spenkelink) um die Wurst. Der Bundestrainer André Korff hatte sie für das Sratchrennen – wie der Massenstart über 40 Runden oder 10 km auf der Bahn genannt wird – nominiert. Selber wäre sie wohl lieber im Punktefahren gestartet, weil sie sich da bessere Chancen ausgerechnet hatte.

Ihre Devise lautete: voll auf Angriff fahren und es mit der Flucht nach vorne versuchen. Auch die Trainer hatten ihr das zur Vorgabe gemacht. Und genauso ging sie in das Rennen: Schon nach den ersten Runden zog sie ohne Respekt vor den großen Namen vorne raus, doch das Feld war wachsam und fing sie recht schnell wieder ein. Als die Lokalmatadorin und Mitfavoriten Kirsten Wild nach der Hälfte der Distanz einer Attacke der Dänin Amalie Dideriksen nachsetzte, ergriff Tatjana als erste die Initiative, machte sich auf die Verfolgung und führte damit letztendlich das Peloton wieder an die Ausreißerinnen heran. „Mein Plan war, nun im hinteren Drittel des Feldes einmal kurz durchzuschnaufen, neue Kraft zu sammeln und dann sieben Runden vor Schluss noch einmal hart zu attackieren.“ Enttäuscht meinte sie dann im Ziel: „Dieser Plan ist leider nicht aufgegangen. Ich hätte mich gleich an Lydia Gurley dranhängen müssen, als die 12 Runden vor Schluss den nächsten Vorstoß gewagt hat. Das habe ich leider nicht schnell genug erkannt.“ Die Irin riss in der Tat ein großes Loch, das zuerst von der Österreicherin Verena Eberhardt geschlossen wurde. Bis das Feld reagierte und wieder heranfuhr, dauerte es jedoch einen Moment. Auch bei dieser Aufholjagd war die junge Deutsche wieder eine der aktivsten Fahrerinnen. Den Moment des Zusammen­schlusses nutzte dann allerdings die Niederländerin Kirsten Wild zu einem perfekten Angriff, der ihr schlussendlich mit großem Vorsprung den Titel brachte. Im Sprint um Silber verwies die Belgierin Jolien D’hoore die Dänin Dideriksen auf den Bronzerang. Tatjana Paller musste mit Platz 17 vorlieb nehmen, hat aber mit ihren couragierten Attacken gezeigt, dass sie sich mehr und mehr in der Weltspitze etabliert.

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 48,7 km/h und einer Endzeit von 12:19 Min. war das Rennen übrigens nach Meinung des Bundestrainers ein WM-würdiges Rennen, in dem so hart gefahren wurde wie bei den Männern.