Eine Woche internationales Flair bei der Jugend-MTB-Europameisterschaft

Jugend-MTB-Europameisterschaft – Graz – 14.-18. August 2017

Bericht von Christl Bielmeier

Es war wieder einmal eine tolle Woche bei der Jugend-EM in Graz!

Wir hatten wieder ein U17-Team ganz in Grün-Weiß am Start mit Paul Kunze, Leon Potstada und mir. Außerdem waren von der équipe Moritz Rossner und Xenia Erber in der U15 und Michi Stocker und Viktoria Erber in der U17 in Weiß-Blau dabei, denn sie waren vom Kadertraining für verschiedenen BRV-Teams aufgestellt worden.

Hier soll es aber um unser Vereinsteam gehen. Der erste Tag begann wie letztes Jahr mit dem Team Time Trial, diesmal jedoch auf einer ganz anderen und viel längeren Strecke und das bei gefühlten 40 Grad. Mir ging es aufgrund der hohen Temperatur nicht so gut und ich hatte Kreislaufprobleme. Die Strategie war, dass ich einen super Start hinlege, die Jungs mich während des Rennens einholen und voran Paul fährt und hinter mir Leon als „Antreiber“. Das hat alles so geklappt, allerdings hätte ich die letzten 500 Meter ohne Unterstützung der Jungs kaum noch geschafft. So wurden wir von 80 Teams „nur“ 69., was aber nur für die Startaufstellung am nächsten Tag für die Staffel ausschlaggebend war. Diese fand auf derselben Strecke wie der Team Time Trial statt, war aber noch durch ein technisch anspruchsvolles Teilstück durch den Wald erweitert worden. Unser Plan für die Staffel: Paul als starker Fahrer startet als Erster, ich versuche den Vorsprung als Zweite zu halten und eventuell noch auszubauen und Leon als Dritter gibt nochmal alles. So geschah es dann auch: Paul wurde im Startfeld ganz hinten aufgestellt und durch den Streckenverlauf immer wieder durch die vor ihm gestarteten Fahrer blockiert und ausgebremst. Er fuhr dann aber, nachdem das Fahrerfeld sich aufgelockert hatte, ein super Rennen und konnte viele Plätze gutmachen. Nachdem er mich in der Box abgeschlagen hatte, konnte ich auch nochmal Plätze gut machen, sodass wir uns zwischenzeitlich zeitmäßig in etwa auf den 55. Platz vorgekämpft hatten. Nun startete Leon als dritter Fahrer und hatte nach 20 Metern einen Kettenriss. Jeder dachte, dass er abbricht, zumal es inzwischen wieder gefühlte 35 Grad hatte und jeder hätte dafür Verständnis gehabt. Aber da hatten wir noch nicht mit Leons Kampf- und Teamgeist Bekanntschaft gemacht! Er lief den gesamten Parcours mit Bike an der Hand in 17 Minuten. Ich glaube, es waren sogar ein oder zwei Fahrer im Feld, die mehr als 17 Minuten zum Fahren brauchten! Leon hat unserem Team somit die Teamwertung gerettet und seine Leistung wurde bis ins Komitee bewundernd kommentiert. Die Fahrer der équipe sind nun europaweit als Kämpfer bekannt J. Zeitmäßig lagen wir nun natürlich auf dem letzten Platz, aber die Einzelzeiten von Paul und mir zeigten, dass wir ohne technischen Defekt ganz sicher unter Platz 60 gekommen wären. Und der Kampfgeist von Leon hat alles überwogen und jeden beeindruckt. Mittwoch: Neuer Tag, neues Glück – dachten wir uns. Doch nachdem ich den ersten Teil des Technikparcours mit sehr guten 10 Punkten geschafft hatte, fing es an zu gewittern und der Technikwettbewerb wurde unterbrochen. Alle saßen eine halbe Stunde in der Bushaltestelle und warteten, dass es aufhört zu schütten. Tat es aber nicht, im Gegenteil, es wurde nur noch schlimmer und unter diesen Bedingungen war es eigentlich unmöglich, ohne Fehler zu springen. Aber es ging also trotz des Wetters weiter, um den Zeitplan der am Nachmittag stattfindenden Rennen einhalten zu können. Das war natürlich weder für die Jungs noch für mich gut. Ich konnte mich nicht mehr neu sammeln und hatte bei den nächsten drei Stationen insgesamt nur 3 Punkte, also insgesamt 13, Paul kam auf 14 und Leon auf 16. Am Nachmittag fand dann das Cross-Country-Rennen (ebenfalls bei wolkenbruchartigem Regen auf durchnässter schwammiger Strecke) statt. Trotz der widrigen Verhältnisse konnte ich bis auf Platz 64 vorfahren. Paul und Leon wurden bei über 160 Startern ganz am Schluss aufgestellt und beendeten diese Schlammschlacht mit Platz 143 (Paul) und 136 (Leon). Am Donnerstag stand meine Lieblingsdisziplin – der Marathon – auf dem Programm. Hier konnte ich viele Plätze gut machen und am Ende fuhr ich auf Platz 56, meine Teamkameraden kamen in der Bubenwertung auf Rang 135 (Paul) und 143 (Leon). Kurz nach dem Start gab es auf der Straße einen Massensturz, in den ich glücklicherweise nicht involviert war, sondern die Chance nutzte und weiter nach vorn fuhr. Freitag stand nochmal die Cross-Country-Strecke x-large vom Mittwoch auf dem Programm und diese war drei Mal zu fahren. Es war auch gleichzeitig der heißeste Tag der Woche und die Rennleitung überlegte zunächst, aufgrund der Temperaturen das Rennen zu verkürzen, entschied sich aber aufgrund der 80%-Regel, und da die Strecke auch viel durch den Wald führte, dagegen. Die erste Runde lief sehr gut, aber zu Beginn des zweiten Anstiegs versagte meine Schaltung, und so musste ich das gesamte Rennen im ersten Gang fahren und wurde natürlich von etlichen Fahrerinnen überholt. So wurde es am Ende „nur“ Platz 68. Paul und Leon durften mal wieder weit hinten stehen in der Startaufstellung. (Wir hatten inzwischen aufgegeben, uns zu überlegen, nach welchen Kriterien sie die Fahrer aufstellen – jedenfalls hätten sie weiter vorne stehen müssen, wäre es nach den Platzierungen gegangen.) Aber unter den Bedingungen fuhren beide nochmal ein tolles Rennen und so belegte unser „Hobby“-Team in Konkurrenz mit Teams aus ganz Europa (teilweise sogar Nationalteams) im Gesamtergebnis einen tollen 52. Platz. Ich glaube es hat allen gefallen und trotz technischer Probleme sind alle zufrieden mit dem Ergebnis. Leon und Paul wollen jedenfalls nächstes Jahr nochmal mitmachen (haben sie mir verraten). Und da bin ich schon ein bisschen neidisch, weil es für mich ja leider nicht mehr möglich ist. Aber persönlich hatte ich zwei tolle Teamkollegen und wir hatten eine tolle Woche mit vielen tollen Eindrücken und Erfahrungen.

PS – Moritz Rossner und Xenia Erber belegten in der U15 nach den 5 Wettkämpfen mit dem Team Bayern 2 Rang 19, in der Einzelwertung wurden Xenia auf Rang 30 und Moritz auf Rang 42 geführt. In der U17 erreichte Michi Stocker mit dem Team Bayern 2 36 (Einzelwertung Platz 74), Viktoria Erber mit dem Team Bayern 5 Platz 41 (Einzelwertung 35.).