Tatjana Paller in den deutschen Farben bei der Bahn-WM in Hongkong

Bahnrad-Weltmeisterschaft – Hongkong, 12.-16. April 2017

170410 Bahn WM HongkongEin Riesenerfolg für Tatjana Paller: Nachdem sie bei Bahn-Weltmeisterschaften bisher „nur“ als Ersatzfrau zum Einsatz gekommen war, wurde es heuer ernst. Für die diesjährige WM der Elite wurde sie vom Bundestrainer gleich in drei Disziplinen nominiert. Sie durfte mit dem BDR-Team zwei Wochen in Hongkong verbringen und die deutschen Farben in der Mannschaftsverfolgung, im Scratch und im Omnium vertreten. Nur fünf Ausdauer- und vier Sprintspezialistinnen waren insgesamt dabei, denn es gelten für die WM strenge Qualifikationsregeln. So hatte Deutschland für jede Ausdauerdisziplin nur einen Startplatz!

Hochmotiviert gingen Tatjana und ihre Teamkolleginnen ans Werk. Vor Beginn der Wettbe­werbe hatten sie eine Woche Zeit, um sich zu akklimatisieren – an hohe Temperaturen und vor allem hohe Luftfeuchtigkeit – und das 250 m lange Holzoval während der Trainingszeiten zu testen. Für BDR-Sportdirektor Patrick Moster war das Ziel im Ausdauerbereich, die Strukturen zu festigen und die noch jungen Athletinnen – vier der fünf sind noch in der U23 – fit für die Zukunft zu machen. Unter diesem Blickwinkel hat Tatjana rundum gute Leistungen erzielt, auch wenn sie selbst „mehr von sich erwartet“ hatte. Denn es sollte nicht alles nach Plan laufen.

Wie ist es ihr ergangen? Gleich am ersten Nachmittag wies das Programm für die junge Leng­grieserin die Mannschaftsverfolgung zusammen mit ihrer Münchner Freundin Gudrun Stock, der Teamältesten Charlotte Bayer und dem Nesthäkchen Franziska Brauße aus. Im „Vierer“ kam das Quartett leider nicht über die Qualifikation hinaus und musste mit Platz 14 vorlieb nehmen. Selbstkritisch meinte Tatjana, dass „wir die Trainingsleistungen nicht umsetzen konnten. Dass wir vorne nicht mitfahren konnten, wussten wir natürlich, aber die Top Ten war schon unser Ziel.“ Mit dieser Enttäuschung nahm sie dann am selben Abend Rennen Nr. 2, das Scratch, in Angriff. Hier wollte sie das Heft in die Hand nehmen, lancierte ohne Respekt vor renommierten Gegnerinnen früh eine Attacke und fuhr eine halbe Runde Vorsprung heraus. Das Feld setzte jedoch nach und sie konnte die Pace zum Schluss nicht mehr halten, musste gar aufgeben. „So richtig erklären kann ich es mir nicht, denn meine Form war super gut, aber jetzt scheint sie wie weggeblasen,“ sagte sie enttäuscht. Die Manier, in der sie das Rennen anging, zeigt jedoch, dass sie zu Recht nominiert worden war. Nach einem Tag Erholung stand sie im Omnium über vier Disziplinen erneut am Start. Doch auch hier lief es nicht so richtig rund. „Kurioserweise lief das Ausscheidungsrennen, das eigentlich meine schwächste Disziplin ist, am besten und das Punkterennen, wo ich sonst am stärksten bin, überhaupt nicht.“ So blieb ihr am Ende Rang 20. „Klar bin ich enttäuscht und hätte es gern besser gemacht,“ sagt sie nun mit ein paar Tagen Abstand, „vor allem nach meinen Ergebnissen im Vorfeld. Beim Six-Days-Finale in Mallorca hatte ich ja sogar das Scratchrennen gewonnen. Aber ich hab in Hongkong auch enorm viel gelernt. Korffi (der Bundestrainer) meint, dass ich ziemlich kraftraubend fahre. Daran werde ich nun arbeiten. Auch, dass die Form irgendwann kippt, ist für mich eine neue Erkenntnis, die ich in Zukunft mit berücksichtigen werde.“ Doch erstmal gibt es zehn Tage Pause vom Rad.